Georg Saur, Geschäftsführer im MR Oberland, beobachtet in seiner Region eine verstärkte Nachfrage nach Streu aus der Landschaftspflege. Der Maschinenring ist seit 1986 in diesem Bereich aktiv. Ehrenvorsitzender Johann Gerold hatte damals Landwirte für die Maßnahmen gewonnen.
Landschaftsstreu – ein geschätztes Gut
„Im Auftrag der Naturschutzbehörden, von Bauern und Privatleuten, führen unsere Spezialisten alljährlich auf ungefähr 150 ha Maßnahmen zur Landschaftspflege durch. Schwerpunkt der Arbeit ist das Mähen von Streuwiesen und Feuchtflächen mit Spezialgeräten oder von Hand“, erklärt Georg Saur. Im Sinne eines geschlossenen Stoffkreislaufs wird das anfallende Mähgut in den bäuerlichen Betrieben verwertet. „Obwohl sich die Streu – wie der Name schon sagt – hervorragend zur Einstreu eignet, war es vor 25 Jahren nur schwer vermittelbar und wurde teilweise kompostiert. Heute hat sich die Situation grundlegend gewandelt und Streu wurde sozusagen vom Entsorgungsmaterial zum geschätzten Gut“, erzählt er weiter. Mehr als 95 Anfragen verzeichnete der Geschäftsführer zur Abgabe von Landschaftspflegestreu in diesem Jahr. Streu ist nämlich ein vollwertiger Ersatz für Stroh – und wird im MR Oberland kostenlos abgegeben.
Michael Koller aus Etting, verwendet das gemähte Material seit jeher zur Einstreu. „Bei uns war die Streu immer schon hochgeschätzt, weil sie einfach sehr saugfähig ist“, berichtet Senior Helmut Koller. Am Betrieb wird die Streu für das Jungvieh im Tretmiststall gebraucht. In der Praxis bewährt hat sich das abwechselnde Einstreuen mit Stroh, da der höhere Luftanteil im Stroh den Rotteprozess und damit das ‚Abtreten‘ des Mistes begünstigt. Verwendung findet die Streu ebenfalls in Tiefstreu-, Anbinde- und Liegeboxenställen oder in Kälberiglus. Die Betriebsleiter sind im Allgemeinen sehr zufrieden. Nur bisweilen gibt es Befürchtungen die Streu begünstige bei Kälbern Nabelentzündungen, wobei die Beschaffenheit der Streu ausschlaggebend ist.
Interessant bei kurzen Wegen
Streu ist regional vorhanden, und vor allem für diejenigen Betriebe interessant, die nur kurze Strecken transportieren müssen. „Unser Betrieb ist quasi um die Ecke der Landschaftspflegefläche am Ettinger Bach. Die Fuhre zum Hof ist für uns daher kein Problem. Allerdings muss ich die Streu vor dem Einlagern auf der Fläche trocknen“, erläutert Helmut Koller. Viele scheuen diesen Arbeitsaufwand, der sich freilich durch die kostenlose Abgabe relativiert. „Auch Stroh kann, wenn die Witterung nicht passt, viel Arbeit machen“, meint der erfahrene Landwirt. Manche Betriebe trocknen Streu in der Futtertrocknung oder pressen es nach dem Häckseln in Viereckballen. Damit ist die Ware besser zu handeln.
Ebenso verwertet Sebastian Krötz aus Steingaden die Streu in seinem Milchviehbetrieb. „Hochwertige Streu wird gerne gefressen und ist reich an Mineralstoffen. Zudem ist es frei von Pestitzidrückständen und so mit Stroh aus ökologischem Ackerbau vergleichbar“, sagt er. Gleichwohl ist aus seiner Erfahrung die Streu im Vergleich zu Stroh meist weniger saugfähig, man benötigt mehr Menge. Der Landwirt kennt jedoch die unterschiedlichen Qualitäten – schließlich ist er nicht nur Abnehmer, sondern gleichzeitig selbst aktiv in der Landschaftspflege tätig. „Wer Streu verwendet, bewahrt in gewissem Sinne das landschafstypische Bild der Region und trägt zu unserer traditionellen, ansprechenden Streuwiesen-Landschaft mit einem hohen Naturschutz- und Erholungswert bei“, verdeutlicht Georg Saur, der sich selbst zum geprüften Natur- und Landschaftspfleger fortgebildet hat.
Miscanthus als Alternative
Miscanthus giganteus, landläufig Chinaschilf oder Elefantengras genannt, rückte Ende der 80er Jahre aufgrund seiner vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten in den Blickpunkt. Für den Landwirt interessant sind jährliche Trockenmasseerträge von 15 bis über 20 t/ha. Miscanthus ist mehrjährig und gehört wie Mais oder Zuckerrohr zu den C4 Pflanzen, die sich durch effektive Photosynthese und damit einer hohen Biomasseproduktion auszeichnen.
Etwa 30 Mitgliedsbetriebe im MR Ortenau pflanzten bislang 65 ha Miscanthus. Der Maschinenring organisiert den Anbau und unterstützt bei Vertrieb und Verwertung. Die Vermarktung des Miscanthus-Häckselgutes erschien zunächst einfach, da – durch Forschungsgelder unterstützt – die Industrie großes Interesse an dem Rohstoff hatte. Miscanthus findet Anwendung als Kunststoffersatz im Fahrzeugbau, in isolierenden Baustoffen, und in der Spanplattenherstellung.
„Die anfängliche Euphorie legte sich mit der Zeit etwas und wir mussten feststellen, dass die stofflichen Absatzmärkte eingeschränkt sind. Alternativ bemühen wir uns um thermische Verwertung“, schildert Manfred Bannwarth, Geschäftsführer des MR Ortenau. Als neues Geschäftsfeld eröffnete sich vor ein paar Jahren die Verwertung von Miscanthus als Einstreu.
„Wir vermarkten Miscanthus als Einstreu fast ausschließlich an Pferdehalter“, führt der Geschäftsführer aus. Das Material ist stark saugfähig und bindet Ammoniak. Kirsten Tramm, Pensionspferdehalterin aus Rastatt, setzt Elefantengras vor allem bei kolikoperierten und -anfälligen Pferden ein. „Das Häckselgut wird nicht gefressen und wirkt daher diätetisch“, beobachtet sie zufrieden. Die Einstreu lässt sich zudem hervorragend misten und ist deutlich ergiebiger als Holzspäne oder Stroh.
Auch der erfolgreiche Springreiter Timo Beck verwendet als Leiter des Ausbildungsbetriebes Gerhard Fuchs in Kehl-Bodersweier Chinaschilf. „Miscanthus ist vor allem preislich gesehen eine interessante Alternative zu Sägemehl und Stroh. Außerdem sind letztere dieses Jahr ziemlich knapp“, bemerkt er. Praktischerweise liegt das Lager des MR Ortenau direkt vor seiner Haustür, so dass die Transportkosten gering ausfallen. Das Schüttgewicht von Miscanthus beträgt nämlich nur ca. 100 bis 140 kg pro m3, so dass Transport- und Lagerkosten eine wichtige Rolle spielen.
Miscanthus nimmt Flüssigkeiten ebenso vortrefflich auf wie Sägemehl. Es weicht nur langsam auf und verklumpt im Vergleich zu Holzspänen weniger. „Beim Einstreuen freilich muss man sich sozusagen erst an das Material gewöhnen, da es zunächst sehr staubt und man vorsichtig und sorgfältig arbeiten muss. Am besten ist es, die Tiere während dieser Tätigkeit nach draußen zu lassen. Wenn sich die Einstreu gesetzt hat, können unsere Pferde wieder in die Boxen“, zeigt der zweimalige BW-Hallenchampion der German Masters in Stuttgart auf.
Miscanthus ist ferner frei von Sporen und Pilzbefall, geruchsneutral sowie als Naturprodukt ohne Binde- und Konservierungsstoffe und vollständig biologisch abbaubar. Timo Beck ist zufrieden und kombiniert Miscanthus, Stroh und Sägemehl als Einstreu.
von Veronika Fick-Haas, freie Journalistin, Schnaitsee



